„Die Kommunikationswege der Zukunft abbilden“ – 15 Jahre news aktuell Schweiz

Von Anfang an mit dabei: Kai Gerwig, Geschäftsführer von news aktuell Schweiz.
Von Anfang an mit dabei: Kai Gerwig, Geschäftsführer von news aktuell Schweiz.

Wir schreiben das Jahr 2000: Mit einer Mischung aus Euphorie und banger Erwartung geht man dem neuen Millenium entgegen. Im Juli erblickt news aktuell (Schweiz) AG das Licht der Welt. Gründungseltern sind die Schweizerische Depeschenagentur (sda) und die dpa-Tochter news aktuell. Einer, der von Anfang an dabei ist und die Entwicklung des Unternehmens in den letzten 15 Jahren entscheidend mitgeprägt hat, ist Kai Gerwig, heutiger Geschäftsführer von news aktuell. Mit TREIBSTOFF spricht er über Herausforderungen, Rückschläge und Erfolge.

TREIBSTOFF: Beschreiben Sie Ihren Werdegang bei news aktuell.

GERWIG: Mein erster Arbeitstag war der 1. Oktober 2000. An diesem Tag wurde news aktuell operativ und übernahm offiziell den Originaltextservice ots, der vorher unter dem Dach der sda angeboten wurde. Ich selbst habe am Newsdesk begonnen. Nach Stationen im Account Management und Marketing hat mich der Verwaltungsrat 2005 in die Geschäftsleitung berufen. Seit 2008 bin ich Geschäftsführer.

TREIBSTOFF: Wer war der erste Kunde von news aktuell?

GERWIG: Die erste Medienmitteilung, die news aktuell am 9. Oktober 2000 im eigenen Redaktionssystem verarbeitet hat, stammte vom Verlag „Der Bund“ mit dem Titel „eBund – die erste personalisierbare Online-Zeitung der Schweiz“.

TREIBSTOFF: Welche Herausforderungen gab es am Anfang des neuen Jahrtausends?

GERWIG: Die Gründung von news aktuell fiel in die Zeit der Dotcom-Blase. In 2001 erlebten wir alle das einschneidende Ereignis von 9/11. In dieser Zeit gab es eine hohe Fluktuation. Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir zwar laufend namhafte Neukunden gewonnen haben, auf der anderen Seite aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aber auch substanzielle Kundenverluste hinnehmen mussten.

TREIBSTOFF: Inwiefern hat sich das PR-Business in den letzten 15 Jahren verändert?

GERWIG: Das Kerngeschäft hat sich gar nicht so sehr verändert. Damals wie heute veröffentlichen Unternehmen und PR-Agenturen Medienmitteilungen und Bildmaterial, um die Aufmerksamkeit Ihrer Zielgruppen zu erhalten. Was sich hingegen wesentlich verändert hat, ist die Professionalisierung beim Erstellen des PR-Contents (Stichwort Storytelling), die Vermarktung (Stichwort Content Marketing) und die Vielfältigkeit der Kommunikationskanäle. Damit einher geht das stark veränderte Konsumverhalten der Öffentlichkeit. Heute ist Multimedialität im Grunde genommen Pflicht, im Jahr 2000 war das noch nicht einmal die Kür.

Edelwei vor blauem Himmel

TREIBSTOFF: Mehr Multimedialität bedeutete aber auch eine Herausforderung für die Technik.

GERWIG: Natürlich. Mit unserer deutschen Schwesterfirma haben wir technologische Entwicklungen aber schon sehr früh agil vorangetrieben. Daher sind wir mit unseren Produkten seit jeher am Puls der Zeit. So veröffentlichten wir beispielsweise schon im Jahr 2000 den gesamten PR-Content im Internet. In 2003 entwickelten wir dann mit unserem Presseportal die erste Plattform für PR-Inhalte in der deutschsprachigen Schweiz. Heute gibt es hunderte deutschsprachige Me too-Portale. Im Presseportal konnte man den Content übrigens auch schon früh via RSS beziehen. Die großen Newsportale implementierten diese Technologie erst wesentlich später. Mit der Zeit ist so ein umfassendes Nachrichtennetzwerk entstanden, das den Kunden von news aktuell ermöglicht, mit ihren Inhalten die richtigen Menschen, am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt zu erreichen.

TREIBSTOFF: Was war für Sie der größte Erfolg in den letzten 15 Jahren?

GERWIG: Der grösste Erfolg ist meiner Ansicht nach in der jüngsten Vergangenheit von news aktuell zu finden. Im September 2013 haben wir die Edition Renteria SA, Herausgeberin des Handbuchs „Schweizer PR- und Medienverzeichnis“, übernommen. Mit dem Erwerb von Renteria untermauert news aktuell den Anspruch, die Nummer Eins in der Schweiz zu sein, wenn es um die gezielte Ansprache von Journalisten und Meinungsmachern geht. Wir haben damit die beiden wohl bekanntesten und ältesten Marken der Schweizer PR-Branche unter unserem Dach vereint: ots und renteria.

TREIBSTOFF: Was war der größte Rückschlag?

GERWIG: In 2005 hat die Bundeskanzlei die Verträge mit der sda überprüft und dabei den Originaltextservice aufgrund eines Sparprogramms aus dem Leistungskatalog gestrichen. Damals haben alle Departemente und Bundesämter sämtliche Medienmitteilungen via ots verbreitet. Wir haben auf einen Schlag mehrere tausend Meldungen verloren.

TREIBSTOFF: Blicken wir abschließend in die Kristallkugel: Was werden die größten Herausforderungen der nächsten 15 Jahre sein?

GERWIG: Die wichtigste Herausforderung wird sein: Wie geht es mit dem Medienwandel weiter? Dass die klassischen Medien an Bedeutung verlieren ist klar. Fragt sich nur, wie tiefgreifend der Wandel tatsächlich aussehen wird und was das am Ende für die PR-Branche bedeutet. Die Tendenz ist klar. Wir müssen unseren Kunden Kanäle und Tools bereitstellen, die in der Lage sind, die komplexen Kommunikationswege der Zukunft abzubilden und effektiver zu machen. Dazu gehört natürlich Social Media. Vielleicht geben in drei Jahren ganz andere Player den Takt vor als Facebook und Google. Wer weiß das schon? Die Veränderungen finden derzeit in einem atemberaubenden Tempo statt. Und wir als Kommunikationsunternehmen müssen das immer im Blick haben und in unsere Angebote integrieren. Die Wettbewerbsfaktoren Geschwindigkeit und Beweglichkeit werden in den nächsten Jahren also immer wichtiger werden.

 

Kommentare (1)

  1. Glückwunsch aus Hamburg, liebe Kolleginnen und Kollegen in Zürich! Freu‘ mich auf die nächsten Jahre! 🙂

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