Business oder Casual: Was trägt die PR?

Ob Anzug und Krawatte oder Sneakers und Jeans: Ein starrer Dresscode in der Jobwelt verliert immer mehr an Bedeutung. Dennoch spielt die richtige Kleidung im Berufsleben eine wichtige Rolle, so die Stilexpertin Elisabeth Motsch. Aber welche Regeln gelten heute? Und wie gehen Kommunikationsprofis mit dem Thema um?

Business oder Casual: Dresscode PR

Mark Zuckerberg trägt seit Jahren jeden Tag ein graues T-Shirt zur Jeans. Die Kleidungswahl koste Zeit, die besser in andere Dinge gesteckt werden könne, so seine Begründung. Auch in Deutschland lockern Branchen, die einst für starre Dresscodes bekannt waren, ihre Kleiderordnung. So verzichtete der Dax-Konzern Continental bei seiner Bilanzpressekonferenz im März auf die Krawatten-Pflicht. Die Mitarbeiter sollen sich bei ihrer Arbeit wohlfühlen, damit sie volle Leistung erbringen können.

Elisabeth Motsch PR-Desscode
Elisabeth Motsch ist Autorin, Trainerin und Speaker. Als Stil- und Image-Expertin berät sie Wirtschaftsunternehmen in Sachen Dresscode und Umgangsformen. Foto: Marc Stickler

Gibt es demnach keine Verbindlichkeiten mehr? Doch, so die Stilexpertin Elisabeth Motsch. Gerade im Job ist die angemessene Kleidung sehr wichtig. Denn, ob wir wollen oder nicht: Wir beurteilen Menschen erst einmal nach ihrem Aussehen. Über unsere äußere Erscheinung repräsentieren wir unser Unternehmen und sind Bestandteil der Corporate Identity. Motsch zieht einen Vergleich: „Mit der Kleidung verhält es sich wie mit der Verpackung von Produkten. Wer mit seinem Kleidungsstil zeigt, was er kann und wofür er steht, wird als kompetent und vertrauenswürdig wahrgenommen. Mitarbeiter sollten sich deshalb jeden Morgen vor dem Spiegel fragen: Entspricht mein Kleiderstil der Botschaft, die ich für mein Unternehmen senden möchte?“

Kleidung ist Kommunikation. Studien haben gezeigt, dass wir beim ersten Eindruck vor allem auf die nonverbalen Signale des Gegenübers achten: auf Körpersprache, Kleidung, Tonalität oder Geruch des Gesprächspartners. Der Inhalt des Gesagten spielt hingegen nur eine geringe Rolle. Unser Gegenüber überträgt die Qualität der Kleidung unbewusst auf die des Produkts oder der Dienstleistung. Kleiden wir uns unangemessen, laufen wir Gefahr, dass sich unsere Kunden und Geschäftspartner missachtet oder gar provoziert fühlen.

Unsere Kleidung beeinflusst aber auch unser eigenes Denken und Empfinden: „Wir fühlen uns mit Fitnesskleidung fitter und in eleganter Kleidung kultivierter, sofern wir uns darin wohl fühlen. Und wer in der Jogginghose im Home-Office sitzt, fühlt sich nicht unbedingt kompetent und erfolgreich“, sagt Elisabeth Motsch. Anzug und Krawatte hingegen können uns konzentrierter und fokussierter machen, da sie eine Spannung erzeugen, die in bestimmten Situationen sehr produktiv ist.

Angesichts der Wirkung von Kleidung empfiehlt die Stilexpertin den Unternehmen, einen Dresscode vorzugeben. Das gilt auch für die Kommunikationsbranche: „Das Unternehmen sollte festlegen, wie die Kleidung der PR-Abteilung das Unternehmen nach außen repräsentiert und den Dresscode situationsbedingt reflektieren: Geht man zu einer PK, zu einer Produktpräsentation, zu einem Kunden oder gilt es, in einer Krisensituation Rede und Antwort zu stehen“, erläutert Motsch.

Dresscodes können insbesondere neuen Mitarbeitern Sicherheit geben. Doch gerade die PR-Abteilungen tun sich schwer damit, so die Stilberaterin. „Man will ja locker und ungezwungen bleiben.“ Für sie sind absolute No-Gos im Büro Spaghetti-Träger, bauchfrei, Flip-Flops und tiefe Dekolletés. Sneakers zum Anzug kann Mann durchaus tragen. Voraussetzung: Das Stilkonzept sollte in sich stimmig sein: „Schnell mal die alten Sneakers zum schwarzen Anzug – das geht gar nicht.“

Wigan Salazar, CEO MSL
Wigan Salazar, CEO MSL Germany. Foto: MSL Germany

Viele Unternehmen haben jedoch keinen offiziellen Dresscode, denn sie vertrauen auf die Stilkompetenz ihrer Mitarbeiter. Entscheidend ist immer die Kundschaft und die Art des Auftrags, meint Wigan Salazar, CEO bei MSL Germany. Ob Startup oder DAX-Unternehmen, Social Media-Konzept oder Public Affairs: „Im Meeting trifft man mich mal mit Anzug und Krawatte, mal mit Jeans und Sneakers. Lustig sind zumeist die Meetings mit Anwälten: Wir PR-Berater tragen in der Regel Krawatte – die Anwälte machen es aber umgekehrt und denken: Wenn ich bei der Agentur bin, lege ich die Krawatte mal ab.“

Wolfgang Zdral Dresscode PR
Wolfgang Zdral, Kommunikationschef bei der Bayerischen. Foto: Die Bayerische

Selbst die Mitarbeiter von Versicherungen kleiden sich inzwischen deutlich legerer. Die Bayerische verzichtet auf einen formellen Dresscode. Kommunikationschef Wolfgang Zdral trägt dennoch täglich Anzug – egal, ob im Büro oder beim Kundenmeeting. Außer Freitags: Da ist bei der Bayerischen „Casual Friday“. In der Badehose könnte er sich aber keinen seiner Kollegen vorstellen.

 

Kommentare (1)

  1. […] Menschen fühlen sich vor einem größeren Publikum unwohl. Das spiegeln sie unbewusst mit ihrer nonverbalen Sprache – also Mimik, Gestik und Stimme: Sie brechen immer wieder den Kontakt mit dem Publikum ab, reden […]

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