Innovative Medien: Thementieftauchen mit „Der Kontext“

Schneller, kürzer, mehr. Unser täglicher Nachrichtenkonsum wird von einer Flut aus knappen Newshappen bestimmt. Dabei bleibt die Verständlichkeit komplexer Themen oft auf der Strecke. Das neue Digitalmagazin „Der Kontext“ will das ändern. TREIBSTOFF hat sich das innovative Medienformat angeschaut.

Der Kontext Digitalmagazin Innovative Medien
Thementieftauchen: Das neue Digitalmagazin „Der Kontext“ ist fundiert, detailreich und dennoch ohne Schnickschnack.

 

Nicht die schnelle Nachricht, sondern Analyse und Hintergrund verspricht das Crowd-finanzierte digitale Magazin. Und liefert prompt. In der ersten Ausgabe nimmt „Der Kontext“ den Leser mit auf eine Reise in die Tiefen – manchmal auch Abgründe – des Themas TTIP. Das Freihandelsabkommen TTIP ausführlich erklären und Zusammenhänge beleuchten – das klingt nach schwerer Kost, langen Texten und Lesern, bei denen Ausdauer und Durchhaltevermögen gefragt ist. Doch nein. „Der Kontext“ überrascht mit einer modernen Version von Hintergrundberichterstattung.

Über eine Themenkarte, die wie eine Mindmap anmutet, geht der Leser auf interaktive Entdeckungsreise. Aspekte aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft werden in einem Netz aus Knotenpunkten dargestellt, in die man interaktiv eintauchen kann. Je tiefer, desto detailreicher. Ein großes Thema wird seziert und in seine Einzelteile zerlegt. So entstehen Lesehäppchen, die leicht verdaulich und schnell lesbar sind, aufgrund ihrer Fülle aber dennoch das große Bild zeigen.

Angereichert mit Linktipps, einer interaktiven Grafik zur Geschichte von TTIP und vielen Audio- und Videoschnipseln wird das Stöbern auf „Der Kontext“ zu einem kurzweiligen Vergnügen. Auch wer schon immer mal wissen wollte, was es mit G7, GATT, ICS oder TPA auf sich hat, wird fündig. Ein Glossar erklärt alle Abkürzungen rund um das Freihandelsabkommen.

Der Kontext Innovative Medienformate Digitalmagazin Gründerteam
Digitaljournalismus mit Liebe und Leidenschaft: Das Gründerteam von „Der Kontext“ Bernhard Scholz, Erich Seifert und Julia Köberlein (v.l.n.r.). Foto: „Der Kontext“

 

Herz und Kopf von „Der Kontext“ ist Mediendesignerin Julia Köberlein. In der derzeitigen Medienlandschaft hatte ihr ein Format gefehlt, das Zusammenhänge komplexer Themen erklärt und sichtbar macht. Mit Hilfe des Inkubators Media Lab Bayern und einer erfolgreichen Crowdfundingkampagne gründete sie das Magazin gemeinsam mit dem Journalisten Bernhard Scholz und dem Entwickler Erich Seifert.

Dass „Der Kontext“ ein Herzensprojekt ist, wird bei jedem Klick spürbar. Hier wird Digitaljournalismus mit Liebe und Leidenschaft gemacht. Mal kurz, mal ausführlich widmen sich die Autoren den einzelnen Themenfacetten. Kleine Schnitzer wie ins Leere führende Links oder eine fehlende Grafik verzeiht man dem neunköpfigen Redaktionsteam. Das überwältigende Angebot an Informationen wiegt dies locker auf.

Fazit: „Der Kontext“ ist nichts für oberflächliche Nachrichtenjunkies. Aber jedem, der ein Thema durchdringen und begreifen möchte, sei das Onlinemagazin ans Herz gelegt. Das Abo gibt es ab 25 Euro für drei Ausgaben. Das ist nicht eben günstig, lohnt sich aber allemal.

 

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