PR-Trendmonitor 2010: Das Märchen von der Durchlässigkeit

Gerne wird es geschrieben oder auf Panels erzählt: Die PR freut sich über knapp besetzte Redaktionen, weil weniger Journalisten gleichbedeutend sind mit mehr Durchlässigkeit für interessengesteuerte Inhalte. Ganz so einfach funktioniert Kommunikation dann aber doch nicht! Und das ist eine gute Nachricht. Auf die Frage, was die größte Herausforderung für Mitarbeiter von Pressestellen und von PR-Agenturen ist, nannten überraschend viele die personelle Ausdünnung in den Redaktionen. Das enstpricht der zweithäufigsten Nennung (52 % bei den Unternehmen, 53 % bei den PR-Agenturen). Noch wichtiger ist nur das Trendthema Social Media.

Kommunikation wird also schwerer, weil es weniger Journalisten gibt? Warum ist das so? Ich denke, dieses erstaunliche Ergebnis aus unserem aktuellen PR-Trendmonitor „Pressearbeit und PR in einem neuen Medienzeitalter“ hat drei wesentliche Gründe:

Durchlässigkeit
Knapp zwei Drittel aller Kommunikationsfachleute sehen in Social Media noch immer die größte Herausforderung für die Branche. Danach folgen die personelle Ausdünnung in den Redaktionen und der Druck, Erfolgsnachweise zu liefern. Das ergab die Umfrage „PR-Trendmonitor 2010 – Pressearbeit und PR in einem neuen Medienzeitalter“ der dpa-Tochter news aktuell und Faktenkontor.

 

* Thema Glaubwürdigkeit: Trotz Social Media wird ein Großteil der öffentlichen Meinung durch die Darstellung und Gewichtung der aktuellen Ereignissen in den klassischen Medien bestimmt. Egal ob Print, Online, TV oder Hörfunk. Kommunikatoren brauchen eine unabhängige Berichterstattung, um wirklich gute Kommunikationsarbeit machen zu können. Dabei geht es nicht um das plumpe Platzieren von Jubel-Meldungen, sondern um einen nachhaltigen und transparenten Austausch mit den Redaktionen.

* Thema Ansprechpartner: Kommunikation findet, wenn sie nachhaltig sein soll, auf Augenhöhe statt. Vertrauen wächst immer nur langfristig. Ständig wechselnde oder fehlende Ansprechpartner machen den Job der Kommunikatoren deutlich schwerer. Das Gleichgewicht ist gestört, wenn die Redaktionen nur noch äußerst spärlich besetzt sind. Auch ein Kommunikator gibt nur dann wichtige Hintergrundinformationen und persönliche Einschätzungen preis, wenn er dem Redakteur vertraut. Insbesonders, wenn es um Informationen geht, die hinterher nicht im Blatt stehen sollen.

Durchlässigkeit

* Thema Erfolgsnachweis: Machen wir uns nichts vor. Für viele Geschäftsführer und Vorstandsbosse besteht erfolgreiche Kommunikation noch immer aus der Produktion dicker Clipping-Mappen. Der Bericht in der FAZ oder der Aufmacher im örtlichen Regionalblatt gilt als Königsdisziplin. Wenn die Mappen dünner werden (natürlich nur die mit dem Label „positive Berichterstattung“) dann kann auch der Pressesprecher in Erklärungsnot geraten. Das gleiche gilt für die Kunden der PR-Agenturen. Man erwartet ein breites Medienecho. Facebook-Gefaller, Klickraten oder Retweets – alles schön und gut, aber was oft mehr zählt, ist die messbare Resonanz in den Medien. Und das ist ohne Journalisten schwierig.

Ich bin gespannt, was Journalisten zu diesem Ergebnis sagen. Zuspruch aus der PR-Ecke haben sicher die wenigsten erwartet … Alle Ergebnisse des PR-Trendmonitors finden Sie hier:

PR-Trendmonitor 2010 komplett from news aktuell

Kommentare (3)

  1. […] dpa-Tochter news aktuell hat gerade eine interessante Studie zum Thema PR und Social Media vorgelegt (der komplette Titel der Umfrage lautet: PR-Trendmonitor 2010 – Pressearbeit und PR in einem […]

  2. […] Ausdünnung in den Redaktionen. Das mache Kommunikation schwerer, schlussfolgert Jens Petersen hier im na-Blog. Drei wesentliche Gründe, basierend auf den Ergebnissen des Trend-Monitors, führt er […]

  3. […] Twitter täglich nutzen (Quelle: PR-Trendmonitor 10/2010, mehr dazu bei meinem Kollegen Jens Petersen). Denn hier tummelt sich mittlerweile auch maßgeblich die Kernzielgruppe der PR: […]

Ihr Kommentar