Medien-Trendmonitor 2017: Was bewegt Journalisten?

Glaubwürdigkeit, Fake News und Unabhängigkeit sind aktuell die größten Herausforderungen für Journalisten. Das ergab unser Medien-Trendmonitor 2017. Social Media wird hauptsächlich eingesetzt, um zu recherchieren, Inhalte anzuteasern und um wichtige Persönlichkeiten zu beobachten. Im Umgang mit Pressesprechern nervt es Journalisten am meisten, wenn sie keine Rückmeldung erhalten oder Pressestatements zu wenig Fakten bieten.

Medien-Trendmonitor Deutschland 2017
Welche sind die größten Herausforderungen im Journalismus? Was die größten Fehler, die Journalisten aktuell begehen können? Mehr als 1.700 Journalisten haben an der großen Umfrage von news aktuell und Faktenkontor teilgenommen.

 

Der Journalismus in Deutschland steht von verschiedenen Seiten unter Druck. Populistische Strömungen und Lügenpresse-Vorwürfe gehen an den persönlichen Empfindungen und Meinungen der Medienmacher nicht spurlos vorbei. Die politische Großwetterlage strahlt auf die Stimmungslage der deutschen Journalisten ab. Für die Mehrheit der Medienmacher ist deshalb das Thema Glaubwürdigkeit aktuell die größte Herausforderung. Weit über die Hälfte der befragten Teilnehmer treibt die Sorge um, dass die Menschen den Medien nicht mehr vertrauen (57 Prozent). An zweiter Stelle folgen die Themen Fake News und Unabhängigkeit. Jeweils ein knappes Drittel (29 Prozent) der Umfrageteilnehmer glaubt, dass gezielte Falschinformationen ebenso wie eine bewusste Einflussnahme durch Dritte die Glaubwürdigkeit und Souveränität der Medien unterlaufen. Wie Medien ihr Geld verdienen und welche digitalen Geschäftsmodelle funktionieren, um für die Zukunft gerüstet zu sein, zählt für jeden vierten Journalisten zu den größten Herausforderungen (26 Prozent, 22 Prozent).

Medien-Trendmonitor Herausforderungen Journalismus

Die Inhalte anderer Medien oder PR-Content von Unternehmen ungeprüft zu übernehmen, ist der größte Fehler, den Journalisten heute machen können. Das sagen 43 Prozent. Digitalisierung und personelle Ausdünnung in den Redaktionen haben die Journalisten anscheinend sehr für dieses Thema sensibilisiert. Auch im Zeitalter von Smartphones und Social Media ist das direkte Gespräch aus Journalistensicht immer noch das wichtigste Informationsmittel, das Unternehmen anbieten können. Dieser Auffassung sind 58 Prozent. Aber bitte mit Entscheidern und Experten. Nicht mit dem Pressesprecher. Persönliche Gespräche mit offiziellen Kommunikationsbeauftragten werden von den Journalisten spürbar weniger wertgeschätzt (28 Prozent). Interessant ist, dass die Pressemitteilung, deren Untergang von Zeit zu Zeit gerne prognostiziert wird, nach wie vor einen vergleichsweise hohen Stellenwert genießt (44 Prozent). Wesentlich höher zum Beispiel als Informationsangebote in Social Media (14 Prozent).

Soziale Netzwerke gelten mittlerweile aber trotzdem als etablierte Werkzeuge, die im redaktionellen Alltag eine gewichtige Rolle spielen. Am häufigsten dient das Social Web zur Recherche (55 Prozent). Jeder zweite Befragte gibt an, die neuen Medien zu nutzen, um Beiträge zu veröffentlichen beziehungsweise anzuteasern (50 Prozent). Genauso oft kommt Social Media zum Einsatz, wenn es um das Beobachten anderer Medien, Ereignisse oder Personen geht (50 Prozent). Weniger eingesetzt wird Social Media hingegen für den Dialog mit unterschiedlichen Zielgruppen. Zu diesem Zweck nutzt nur jeder dritte Befragte die sozialen Netzwerke (32 Prozent). Immerhin noch fast jeder zehnte Journalist (neun Prozent) sagt, dass er im Beruf auf Social Media komplett verzichtet.

Medien-Trendmonitor Social Media Nutzung Journalisten

Journalisten halten Social Media heute für wesentlich wertvoller als noch vor einigen Jahren. Für mehr als die Hälfte spielen die sozialen Medien eine große beziehungsweise sehr große Rolle bei ihrer Arbeit (54 Prozent). Der Stellenwert von Social Media ist damit in den letzten sechs Jahren um knapp 19 Prozentpunkte gestiegen. So gaben bei einer in 2011 durchgeführten Journalistenumfrage von news aktuell nur 35,2 Prozent der befragten Teilnehmer an, dass die sozialen Netzwerke für ihre Arbeit relevant beziehungsweise sehr relevant seien. Den höchsten Stellenwert bei der täglichen Arbeit nimmt Facebook ein. Fast die Hälfte der Journalisten (42 Prozent) sagt, dass Facebook in den letzten zwölf Monaten wichtiger geworden ist. Erstaunlich, da doch eher Twitter allgemein als Top-Tool der Medienbranche gilt. Der Kurznachrichtendienst nimmt den zweiten Platz ein (35 Prozent). Danach kommen YouTube (28 Prozent) und Instagram (21 Prozent). Hype-Medien wie Snapchat sind dagegen für Medienmacher so gut wie gar nicht wichtiger geworden (sieben Prozent).

Im Fokus des Medien-Trendmonitors steht auch das Verhältnis von Journalisten und Unternehmenssprecher. Mehr als die Hälfte der befragten Medienmacher sind demnach am meisten genervt, wenn Kommunikationschefs auf Anfragen nicht reagieren (51 Prozent). Auf Platz zwei der größten Nervfaktoren landet die Schönfärberei der Pressesprecher. Lobhudeln statt Fakten auf den Tisch zu legen: Das stört 45 Prozent der Journalisten. Fast ebenso nervig finden sie es, wenn Pressesprecher nicht authentisch und unehrlich sind (43 Prozent). Bedenklich: An vierter Stelle der Kritik steht handwerklich schlechtes PR-Material. So geben 40 Prozent der Befragten an, dass sie unprofessionelles Pressematerial sehr stört. Bemerkenswert: Je höher die Position, umso kritischer ist dabei der Blick auf den PR-Content. Während nur 35 Prozent der einfachen Redakteure schlechte Pressemitteilungen kritisieren, macht das bei den Chefredakteuren jeder Zweite (51 Prozent).

Medien-Trendmonitor Pressesprecher Journalisten

Über den Medien-Trendmonitor:

  • Initiatoren: news aktuell und Faktenkontor
  • Titel: „Brennpunkt Journalismus – Was Journalisten in Deutschland heute bewegt“
  • Teilnehmer: 1.740 Journalisten
  • Methode: Onlinebefragung
  • Befragungszeitraum: März 2017

Komplette Umfrageergebnisse: Download Berichtsband

 

Kommentare (2)

  1. Im Alleingang habe ich 2016 ein Magazin etabliert. Glaubwürdigkeit, Transparenz und Unabhängigkeit – genau das sind auch meine Prinzipien, die sich nur schwer durchsetzen lassen, ohne in die roten Zahlen zu geraten. Der Wert der „sauberen“ journalistischen Arbeit wird durch zweifelhafte Praktiken mancher Verlage zunichte gemacht. Der Presserat rügt, und alles bleibt, wie es ist.

  2. […] Zeiten von Fake News und digitaler Transformation? Dieser Frage gingen wir in unserem aktuellen Medien-Trendmonitor nach. Mehr als 1.700 Medienmacher haben an der großen Umfrage teilgenommen. Erfahren Sie, was die […]

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