Journalistenumfrage „Recherche 2014“ und was Pressestellen und PR-Agenturen darüber wissen sollten

Vor zwei Jahren haben wir Journalisten zum ersten Mal nach ihren Recherchegewohnheiten befragt. Nun haben wir’s erneut getan. Herausgekommen sind interessante Einblicke in die „Recherche 2014“. Zunächst erstmal herzlichen Dank an die 2.217 Redakteure, die sich Zeit für unsere Befragung genommen haben! Über den enormen Zuspruch haben wir uns sehr gefreut. Bundesweit und quer durch alle Mediengattungen haben Journalisten uns Einblicke in ihre Recherchearbeit gewährt.

Welches PR-Material wünschen sich Redakteure? Wo suchen sie danach? Wie häufig setzen sie PR-Material ein? Und welche Rolle spielen inzwischen eigentlich mobile Endgeräte bei der journalistischen Recherche?

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Die interessantesten Ergebnisse vorweg:

  • Fast jeder zweite Redakteur geht täglich via Smartphone oder Tablet auf Informationssuche. 
  • Vier von fünf Journalisten wünschen sich Pressemitteilungen mit Bildern.
  • Videomaterial gewinnt an Bedeutung für die Recherche – auch jenseits von TV- und Onlineredaktionen.


Fast die Hälfte nutzt täglich mobile Endgeräte zur Recherche

Genauer gesagt: 42 Prozent der befragten Journalisten recherchiert jeden Tag auf dem Smartphone oder Tablet. Weitere 16 Prozent tun dies mindestens ein Mal pro Woche. Besonders mobil-affin sind Multimedia-Journalisten. 62 Prozent der Videoredakteure, 53 Prozent der Audioredakteure und 47 Prozent der Online-Redakteure suchen täglich nach Informationen für ihre redaktionelle Arbeit. Unterdurchschnittlich ist die Nutzung bei Textredakteuren (39 Prozent) und Bildredakteuren (40 Prozent).

Recherche 2014: Mobile Anwendungen
Recherche 2014: Mobile Anwendungen

 

Besonders relevant ist für Journalisten das Abrufen von E-Mails auf ihren mobilen Geräten. Zwei Drittel der befragten Redakteure setzen ihr Handy hierfür ein.

Jeder Zweite nutzt Nachrichten-Apps.

Die Nutzung von Apps hat sich in 2013 weltweit mehr als verdoppelt. Damit steigt auch die Bedeutung mobiler Anwendungen für die journalistische Recherche. Knapp 49 Prozent der befragten Journalisten recherchiert mit Hilfe von Nachrichten-Apps und nutzt sie damit häufiger als soziale Netzwerke (41 Prozent).

Übrigens: Ein Viertel der befragten Journalisten setzt nie mobile Endgeräte für die Recherche ein.

Was uns außerdem überrascht hat: Ältere Redakteure nutzen ihr Smartphone oder Tablet häufiger zur Recherche als jüngere. Vorn liegen die 41- bis 50-Jährigen (44 Prozent tägliche Nutzung) vor den 31- bis 40-Jährigen (43 Prozent), den über 60-Jährigen (42 Prozent) und den 51- bis 60-Jährigen (41 Prozent). Schlusslicht sind die Youngster: nur ein Viertel (27 Prozent) der 21 bis 30-Jährigen Redakteure recherchiert lt. unserer Umfrage täglich mit Hilfe seines Mobilgeräts.

Pressematerial: Bilder bleiben wichtigste Ergänzung zum Pressetext

Visuelles Material ist in Redaktionen gefragt wie nie. 84 Prozent der befragten Journalisten halten es für wichtig oder sehr wichtig, dass Pressemeldungen neben dem reinen Text auch Bilder enthalten. Ein Wert, der sich seit unserer Umfrage vor zwei Jahren nicht verändert hat.

Recherche 2014: Relevanz von Bild, Audio, Video etc.
Recherche 2014: Relevanz von Bild, Audio, Video etc.

 

Interessant: nicht nur Redakteure, die klassischerweise mit Text und Bild zu tun haben, wünschen sich Bilder. Auch drei Viertel der Videoredakteure (74 Prozent) und fast zwei Drittel der Audioredakteure (59 Prozent) hält sie für eine wichtige Ergänzung – um sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild vom Thema zu machen.

Auch Infografiken behalten mit 70 Prozent die gleiche hohe Relevanz wie 2012.

Die Bedeutung von Videomaterial in den Redaktionen steigt, ,je mehr Videos für den Nutzer zur Gewohnheit werden. Absoluter Aufsteiger sind Video-Livestreams. Während diese Dareichungsform 2012 in unserer Umfrage noch an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, hat sich das Interesse daran verfünffacht (24 Prozent).

Eine schwindende Rolle spielen PDF-Dokumente. Während 2012 noch drei Viertel der Redakteure (73%) den Hintergrundinfos als PDF-Datei eine hohe Relevanz beimaßen, sind es 2014 nur noch knapp über die Hälfte (51%). Gleichzeitig ist der Wunsch nach Links ungebrochen: damals wie heute sind es drei Viertel, die sich weiterführende Klick-Tipps wünschen.

Wie häufig nutzen Journalisten PR-Material?

Bilder sind das für am wichtigsten erachtete PR-Begleitmaterial. Auch die Nutzung ist hoch: ein Drittel der von uns befragten Redakteure verwendet sie täglich (33 Prozent), ein weiteres Viertel mindestens einmal wöchentlich (26 Prozent). Infografiken aus Pressestellen werden von einem Drittel der Journalisten mindestens einmal wöchentlich eingesetzt (29 Prozent).

 

Wo suchen Redakteure nach Informationen?

Ganz oben auf der Liste der Recherchequellen stehen – erwartungsgemäß – die Suchmaschinen (95 Prozent), dicht gefolgt von der E-Mail (84 Prozent). Sowohl Pull als auch Push spielen also eine wesentliche Rolle bei der Informationsbeschaffung.

Recherche 2014: Quellen für Recherche
Recherche 2014: Quellen für Recherche

 


Meist genutztes Social Network für die Recherche ist Facebook.
Mehr als ein Drittel der von uns befragten Redakteure schaut dort nach relevanten News (39 Prozent). Die Rangfolge der für die Recherche relevanten Netzwerke ist die gleiche wie  2012. Facebook führt vor YouTube (30 Prozent), Twitter (25 Prozent) und Google+ (21 Prozent).Für Kommunikatoren auch relevant: Die Suche im Internet führt Journalisten häufig auf Unternehmenswebsites (73 Prozent), in Presseportale (64 Prozent) und soziale Netzwerke.

Klar ist jedoch: soziale Netzwerke sind längst aus der Nische in den Journalistenalltag gewandert.

 

Was bedeuten unserer Ergebnisse der Umfrage „Recherche 2014“ für die Arbeit von Pressestellen und PR-Agenturen?

1. Informationen sollten mobil zur Verfügung stehen bzw. einfach auf mobilen Endgeräten abrufbar sein. 

Konkret: Sind Ihre Informationen im Internet zu finden – und zwar auf mobil optimierten Website(s)? Können Ihre Informationen über Apps abgerufen werden (zum Beispiel so)? Stellen Sie beim Versand von E-Mails sicher, dass diese auch unterwegs einfach zu öffnen sind? Setzen Sie soziale Netzwerke ein, um Ihre Informationen zu verteilen?

2. Journalisten wünschen sich Rundum-Sorglos-Informationspakete.

Text allein macht nicht glücklich. Redakteure brauchen umfangreiches Futter in Form von Bildern, Grafiken, Videos und Links. Jeder Text hat (mindestens) ein Bild verdient und bestenfalls wird die Information noch durch weiteres Material erläutert. Multimedia rules!

3. Informationen sollten überall dort sein, wo Journalisten (und darüber hinaus auch andere Interessierte) danach suchen.

Presseinformationen per E-Mail verschicken. Klar, das macht jeder. Doch die Recherchequellen sind vielfältiger denn je. Und genauso vielfältig sollten die Kanäle sein, die für die Informationsverteilung eingesetzt werden. Die eigene Website, Presseportale, soziale Netzwerke und bestenfalls auch Nachrichtenagentur-Kanäle und Medienarchive.

Längst werden Pressemitteilungen nicht mehr nur von Journalisten gelesen. Sobald sie im Web verfügbar sind, sind sie auch Informationsquelle für Branchenkenner, Meinungsmacher, Partner und Kunden  und erweitern so ihre Wirksamkeit und Nachhaltigkeit.

 

Ganz zum Schluss noch einige Linktipps mit weiterführenden Informationen (die sind ja nicht nur bei Journalisten besonders beliebt 😉

Das Rohmaterial zur „Recherche 2014“ mit allen Fragen und Antworten aus Deutschland gibt’s als PDF (3,5 MB).

Unsere Pressemitteilung zur „Recherche 2014“ inklusive der Grafiken in Druckqualität. 

Erstmals haben wir unsere „Recherche“-Umfrage diesmal gemeinsam mit den Kollegen von news aktuell in Zürich auch in der Schweiz durchgeführt.

Hier sind die Rohdaten der Schweizer Umfrageergebnisse und die Medienmitteilung der Schweizer Kollegen.

Wer noch einmal in der Umfrage von 2012 stöbern möchte: Die Ergebnisse unserer Umfrage „Recherche 2012“ finden Sie hier.

Die Relevanz von Pressemitteilungen in der heutigen Zeit beleuchtet mein Kollege Jens Petersen in seinem Beitrag „Jede zweite Pressemeldung wird ungesehen gelöscht – warum eigentlich?“.

Kommentare (8)

  1. Was mich nach wie vor sehr überrascht, ist die Aussage, dass das wichtigste Netzwerk für die Recherche Facebook ist. Vielleicht sollten wir das nochmal genauer untersuchen… Gilt die Aussage hauptsächlich den Firmenseiten bei Facebook? Oder schätzen Journalisten insbesondere die Interaktion via Facebook? Oder sind auf Facebook doch wesentlich mehr Informationen über Personen offen sichtbar, als wir immer denken?

  2. Was ich beobachte ist es, dass Journalisten medienübergreifend Themen auf Facebook für das eigene Blatt recherchieren, weil diese erst durch die eigene und fremde Leserschaft auf FB zur Hype werden.

  3. Inwiefern ist das mobile Abrufen von E-Mails ein „Recherche-Instrument“?? Dann wäre der Gang zum Briefkasten ja auch eines. Und wenn es ein „Kanal“ ist, dann wäre der meistgenutzte mobile Recherche-Kanal doch sicher das Handy-Telefonat.
    Ich wünsche mir ein wenig mehr Trennschärfe bei den Begriffen. Recherchieren (Verb) ist eine aktive Tätigkeit mit einem Ziel: Mails abrufen fällt für mich nicht darunter – oder muss ich das so verstehen, dass 65,6% der Journalisten ihre Rechercheanfragen per E-Mail stellen?

    1. Hallo Herr Held, danke für Ihre Kritik. Ich kann zawr nicht für unsere Autorin Sandra Liebich sprechen, aber im Prinzip haben Sie Recht. Beim nächsten Mal werden wir genauer definieren, was „Recherchieren per E-Mail“ bedeutet.
      Jens Petersen (von news aktuell)

    2. Hallo Herr Held, vielen Dank für Ihren Kommentar. Kurz zur Erklärung, warum E-Mail in der Auswahl der Recherchekanäle dabei ist: Bei unserer Umfrage in 2012 hatten wir bei dieser Frage in der Auswahl auf E-Mail verzichtet. Daraufhin erhielten wir von einer ganzen Reihen von Teilnehmern den Hinweis, dass E-Mail zur Auswahl stehen solle, da über diesen Kanal Informationen übermittelt werden, die Rechercherelevanz haben und E-Mail aus diesem Grund als Recherchekanal gelten könne. Danke für Ihren Hinweis zur Trennschärfe. Das werden wir für die nächste Umfrage berücksichtigen.

  4. @Jens Petersen: Facebook als Recherchequelle Nummer 1 bei den Netzwerken entspricht auch unserer Praxiserfahrung. Der Mensch ist neugierig, der Journalist auch. Und da es auf Facebook mehr menschelt, ist die Hoffnung der Medien groß, Informationen, Bilder u.ä. zu finden, was auf Twitter so nicht gepostet wird. Das betrifft sowohl Unternehmenspages als auch private Pages von Führungskräften. Außerdem wird Facebook als Originärquelle auch immer häufiger in den Medien zitiert.

  5. Aus Kundensicht ist für mich eine Trennschärfe relevant, die ich hier vermisse. Und zwar zwischen der Attraktivität einer Pressemitteilung und dem sich anschließenden Rechercheeinsatz des Redakteurs.
    Zunächst muss die Pressemitteilung für den Verarbeiter attraktiv ein. Erst dann (!) dürfte es so sein, dass er ans Werk geht und recherchiert. Denn der Umstand, dass Pressemitteilungen erst gar nicht gelesen werden, dürfte neben dem Thema als solchem an der Attraktivität des ersten Eindrucks liegen. Hier kommt meiner Einschätzung nach der visuelle Ausdruck des Bildmaterials zum Tragen. Aber gilt dies auch für Videos, die in Zeiten der Mitteilungsfluten mehr Zeiteinsatz vom Redakteur erfordern?

  6. […] in Form von Grafiken, Links und Bewegtbildern, so das Ergebnis der Befragung „Recherche 2014“ von news aktuell. Über die Hälfte der Befragten hält Videomaterial für wichtig oder sogar […]

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