Neu in zimpel: Bock! – Eine Multichannel-Satirelösung, die Bock macht

Peter „Bulo” Böhling bekennt sich zum Spinnertum und bringt mit Bock! ein neues Maga- , falsch, Gagazin, das… ja, was denn eigentlich? TREIBSTOFF wagt sich in die Tiefen der Neuerscheinung in zimpel.

Neuerscheinung zimpel Bock!

In jedem Fall ist Bock! eine Liebeserklärung an die Printbranche. Auf einem sinkenden Schiff braucht sich niemand zu benehmen, daher macht Bock! entgegen aller „Spaßbremsen“ wie zum Beispiel Marktforscher und Verlagsriesen einfach das, worauf es Lust hat. So wirken die Bock-Seiten zumindest zu Beginn wie willkürlich gesponnene Gedanken, die verworfen werden, ehe sie zu einem Punkt kommen – und entsprechen dadurch immerhin dem selbstgewählten Attribut „gaga”.

Hund trinkt Wurstwasser, göttliche Botschaften in Autobahnschuhen, Persönlichkeitsbilder von Kotsammlern: Die Inhaltsangabe mag irritieren, versteht man Bock! nicht zumindest teilweise als prosaisches Magazin, das eben Humor im Absurden sucht. Allerdings ist Bock! nicht ausschließlich bescheuert und liefert als Antidot zur Überdosis Nonsens philosophische Betrachtungen komplexerer Themen wie Tod oder Zorn – ohne dabei seinen bissigen Humor zu verlieren.

Zwischen Fiktion und Realität zu trennen wird jedoch spätestens dann unmöglich, wenn diese verschwimmen. So etwa im Interview mit Kai Diekmann, geführt von Kai Diekmann: Wenn auch die Fragen nicht echt sind, können es die Antworten nicht doch sein? Das Interview mit dem Geist von Rennfahrer Steve McQueen (aktuelle Berufsbezeichnung: Geisterfahrer) dürfte hingegen aller Wahrscheinlichkeit nach reine Fiktion sein.

Interessant: Trotz der Auseinandersetzung mit dem Begriff „Zorn“ zelebrieren die Bock!-Autoren selbst ein gewisses Wutbürgertum. Nicht nur die „Kackbeutelvergesser“ kriegen ihr Fett weg, auch mit „Verkehrsraudis” und „Parkdeppen” wird ins Gericht gegangen – inklusive heraustrennbarer Karten voll kreativer Hassbotschaften.

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Im Gagazin Bock! bekommen Verkehrsraudis und Parkdeppen ihr Fett weg.

 

Überhaupt ist Bock! ein interaktives Magazin: Ausmalbilder, Ausschneidekarten und Durchpausseiten runden die verspielten Inhalte ab. Abwechslungsreiche Papierwahl und ein von Zeichnungen durchsetztes Layout betonen die haptischen Vorzüge des Mediums Print. Gleichzeitig schlägt Bock! immer wieder eine crossmediale Brücke zu ergänzendem Online-Content und versteift sich keineswegs auf nostalgische Zettelwirtschaft.

Fazit: Bock! ist ein zuweilen anstrengend albernes Magazin mit gediegener Sprache und echtem Tiefgang. Da Philosophie und Satire jedoch keine Gegenpole bilden, ist das absolut in Ordnung. Zwar mag nicht jeder Gag bei jedem Leser zünden, aber der Spaß der Macher ist auf jeder Seite spürbar und steckt ein bisschen an. Und, ach ja: Turi popelt in der Nase.

 

Erschienen: Juni 2016
Auflage: 10.000
Herausgeber: Peter „Bulo“ Böhling
Preis: 5 Euro
Web: www.bockgagazin.de

 

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