Neu in zimpel – Kater Demos: Politik von Utopisten

Kater Demos heißt der neue Hoffnungsträger der deutschen Politblätter. Als Crowdfunding-Kampagne gestartet, will das Printprojekt von Chefredakteur Alexander Sängerlaub unabhängig und werbefrei Politikjournalismus machen, der auch noch Spaß macht. Optisch präsentiert sich die Redaktion auch durchaus jung und kultig (Katzen, yeah), bietet inhaltlich aber mehr als schnell konsumierbare Clickbait-Kultur. TREIBSTOFF hat sich die Neuerscheinung in zimpel genauer angeschaut.

Kater Demos: Neuerscheinung in zimpel
Kater Demos: Neue Hoffnungsträger der deutschen Politblätter – jung und kultig, aber mehr als schnell konsumierbare Clickbait-Kultur.

 

Der Leser weiß, dass es ernst wird, wenn Goethe- und Beuys-Zitate das Schwerpunktthema öffnen: Kater Demos seziert in seiner zweiten Ausgabe den Begriff der Arbeit in all seinen Spielarten und leitet aus dem allgemeinen Begriffsverständnis ein Gesellschaftsbild ab, das zu restaurieren sich nach Ansicht der Autoren lohnen würde. Dass die Redaktion selbst ehrenamtlich an dem Magazin arbeitet, mutet zwar ironisch an, macht sie im Grunde aber nur glaubwürdiger. Arbeit sei nämlich nicht nur Erwerbstätigkeit, sondern jede Handlung, die einen Zweck erfüllt – bloß nähme das niemand so wahr.

Der stolze Preis von 9,80 Euro hingegen bedingt zumindest beim Leser eine gewisse Erwerbstätigkeit. Zeit also, die Zielgruppe näher zu betrachten. An wen richtet sich Kater Demos? Nach eigener Aussage möchte das Magazin junge Menschen politisieren; und zwar im Sinne einer naiven Utopie, die der “Generation Y” beim täglichen Schuften aus den Augen geraten sein könnte.

Mission geglückt?

Um junge (oder egal wie alte) Menschen für Politik zu begeistern, gilt es sie dort abzuholen, wo sie stehen. Und da könnte Kater Demos eine gewisse Unbeweglichkeit attestiert werden. Denn das Magazin richtet sich in Stil und Anspruch an einen ausgewählten Leserkreis aus dem eigenen, bildungsnahen Milieu. Verweise auf philosophische und soziologische Thesen gehören zum Fundament der Argumentation, setzen also eine differenzierte Betrachtungsweise der Gesellschaft voraus. Dass die Leser von Kater Demos tatsächlich als Unpolitische zum Magazin geraten, scheint daher unwahrscheinlich. Die Redaktion repräsentiert folglich ihre eigene Zielgruppe und nutzt die Auseinandersetzung mit dem Arbeitsbegriff auch zur persönlichen Sinnsuche. Und wieder: Das macht die getroffenen Aussagen nur glaubwürdiger, weil ihnen keine theoretische, sondern eine konkrete Betrachtung zugrunde liegt.

Was sind nun die Erkenntnisse, die Kater Demos in der aktuellen Ausgabe vermitteln möchte? Individuelle Freiheit und materielle Sicherheit scheinen einander unvereinbar gegenüber zu stehen. Sie doch zu vereinbaren ist die Heraklesaufgabe der Generation, der eigentlich alle Türen offen stehen. Ist sie lösbar? Auf insgesamt 136 Seiten sucht die Redaktion nach Antworten und erhellt verschiedene Nuancen: Bedingungsloses Grundeinkommen, Einkommenshöhe als Glücksmesser, die falsche Scham des Arbeitslosenlebens und ein Plädoyer auf die spätrömische Dekadenz heißen einige Diskussionspunkte des weit gefassten Arbeitsbegriffs.

Kater Demos: Neuerscheinung in zimpel
Arbeit in all ihren Facetten: Schwerpunktthema der zweiten Ausgabe von Kater Demos.

 

Eine gute Zeitschrift

Abgesehen von der inhaltlichen Debatte lohnt es sich, Kater Demos auch mal oberflächlich zu betrachten. Denn wer „7.440 Stunden unbezahlte Arbeit leistet“, um einen Printtitel an den Markt zu bringen, der nicht unbedingt nach weiteren Printtiteln lechzt, der hat wohl richtig Bock. Und vielleicht wirkt das Magazin deshalb wie ein Spiegel seiner Macher: Wenn schon keiner zahlt, kann auch keiner reinreden. Und so kommt mit Kater Demos ein liebevoll gestaltetes Magazin an den Kiosk, das nicht weniger will, als die Leser aufzurühren, zu politisieren und zurück zum Papier zu führen. An Attitüde mangelt es der Redaktion nicht, aber ein bisschen utopisch ist das schon.

Erschienen: Mai 2016
Erscheinungsweise: Halbjährlich
Auflage: 2.500
Herausgeber: Alexander Sängerlaub
Themen: Politik, Gesellschaft, Soziologie

Kommentare (1)

  1. […] einigen Wochen haben wir das politische Indie-Magazin Kater Demos unter die Lupe genommen und festgestellt, dass Leidenschaft und Kompetenz gute Zutaten für eine […]

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