Bitte keine „nackten“ PR-Bilder: Verschlagwortung das A und O

Ob eine Maibaumaufstellung in Ansbach, die Zuwanderung der norddeutschen Störche oder die bayerische Wirtschaftsministerkonferenz in München: Petra Payer kümmert sich darum, dass regionale Themen in der Süddeutschen Zeitung bebildert werden.  Wie das genau von statten geht und welche Anforderungen sie an PR-Bilder hat, erzählt sie in der TREIBSTOFF-Reihe „Wer liest eigentlich Pressemitteilungen?

TREIBSTOFF: Können Sie Ihren Arbeitsalltag in ein paar Sätzen beschreiben?

Petra Payer Regionaljournalismus PR-Bilder
Oktoberfest-Bierpreise, zugereiste Störche oder Ministerkonferenzen in den Bergen: Petra Payer sucht immer die passenden Bilder zu regionalen Themen.

PAYER: Fotos, Fotos, Fotos – wir produzieren den München- und Bayernteil der SZ und dazu alle Regionalausgaben an einem zentralen Newsdesk. Zwischen 13 und 17 Uhr ist Hochbetrieb, schnelle Entscheidungen sind da gefragt, welches Bild wo, Bildkombos bauen, Seiten besprechen, ständig geht das Telefon. Nach Andruck mache ich die Terminplanung für die Münchner Fotografen. Wir arbeiten mit Pauschalisten, die sich bestimmte Tage für uns freihalten. Und dann kommt noch das übliche Chaos-Management dazu, denn irgendwas geht immer schief, irgendwas kommt dazu und noch irgendwas ändert sich.

TREIBSTOFF: Wie recherchieren Sie neues Bildmaterial beziehungsweise passendes Bildmaterial für Beiträge?

PAYER: Immer erst im eigenen Archiv – SZ-Photo gehört ja zu uns. Und dann natürlich im Internet bei den Bildagenturen.

TREIBSTOFF: In welchen Fällen leistet sich die Bildredaktion der Süddeutschen Zeitung eine eigene Fotoproduktion? Wann greifen Sie zu Agentur- oder Stockmaterial?

PAYER: Im Regionalteil produzieren wir so viel wie möglich selber. Unsere Fotografen machen aber auch Produktionen für die Seite 3, das Buch Zwei und die vielen anderen Ressorts der Süddeutschen Zeitung. In der ganzen Welt herumfahren ist leider zu teuer, da greifen wir dann auf externes Material zurück.

TREIBSTOFF: Nutzen Sie auch die honorarfreien Angebote von Bilddatenbanken?

PAYER: Wenn es grade passt schon, aber eher selten. Den dpa-Bildfunk haben wir aber auch abonniert, dazu noch andere große Agenturen.

TREIBSTOFF: In welchen Fällen gehen Sie auf Bebilderungsideen von Pressestellen oder PR-Agenturen ein?

PAYER: Wir arbeiten auch mit Pressebildern, lieber sind uns aber Fotografen- oder Agenturbilder.

TREIBSTOFF: Wie sollte Bildmaterial aussehen, mit dem Sie etwas anfangen können?

PAYER: Das Wichtigste ist eine gute Verschlagwortung und sofortige Verfügbarkeit. Die Dateigröße ist ja heute meistens kein Thema mehr.

TREIBSTOFF: Was sind die größten Fehler von Pressestellen in Bezug auf Bildmaterial?

PAYER: Erstmal muss man auf den Webseiten die Presseseite finden, dann die Bilder, dann rausfinden, ob das Material überhaupt downloadfähig ist. Dann kann man meistens nicht nach Schlagworten suchen, sondern muss sich mühsam durch irgendwelche Menüs klicken. Die Bilder sind oft komplett „nackt“, also völlig ohne Text- beziehungsweise Fotografeninformationen, wenn sie nach dem Download in unserem System ankommen. Diese Liste ließe sich fast endlos fortsetzen

TREIBSTOFF: Wie hat sich die Arbeitsweise mit den Bildagenturen im Internet verändert?

PAYER: Es ist alles viel schneller und unübersichtlicher geworden. Heute muss ein Bild in kürzester Zeit da sein, man telefoniert nicht mehr, man sucht selbst, steht meistens unter Zeitdruck. Auf der anderen Seite macht die Digitalisierung natürlich auch vieles einfacher.

TREIBSTOFF: Was bedeutet es für die Bildredaktion, wenn Inhalte nicht nur Print, sondern auch online und dann auch noch multimedial (Bild und Video) zur Verfügung gestellt werden?

PAYER: Man muss noch viel mehr abklären, Bildrechte und Preise sind da ein ganz großes Thema.

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