„Bilder für das kollektive Gedächtnis“: So entstand das Schweizer PR-Bild 2016

Jacques Morard hat 13 Berggipfel mit Pyrotechnik zum Leuchten gebracht. Er ist Initiator des Schweizer Kunstprojekts „13 Sterne am Gipfel“. Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums des Beitritts zur Schweizerischen Eidgenossenschaft setzte der Walliser Eventmanager seinen Kanton in Szene. Und gewann damit den diesjährigen PR-Bild Award für die Schweiz. TREIBSTOFF sprach mit ihm über die Entstehungsgeschichte des Projekts und seine besonderen Herausforderungen.

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Jacques Morard gründete Anfang der 90er seine eigene Agentur „J’imagine Evénements et Spectacles“. Der Spezialist für Ton- und Lichtshows vereint bei seinen Events Wasser, Feuer, Bilder und menschliche Darbietungen. Foto: Joëlle Morard

TREIBSTOFF: Wie sind Sie zu der Idee der „13 Sterne am Gipfel“ gekommen?

MORARD: Diese Idee hat im Januar 2006 begonnen, in meinem Kopf Gestalt anzunehmen. Auf dem internationalen Festival für Heißluftballons in Château d’Oex, bei dem ich für die Show „Night Glow“ verantwortlich war, lernte ich den heute leider verstorbenen Berner Lichtkünstler Helmut Kohli kennen. Da Helmut bereits eine ähnliche Lichtshow realisiert hatte, bezogen wir ihn in die „Night Glow“ mit ein. Von diesem Moment an wusste ich, dass ich seine Technik eines Tages für ein sehr großes Projekt einsetzen würde. Die Gelegenheit hat sich im Jahr 2012 ergeben, als der Kanton Wallis für die Feierlichkeiten zum zweihundertjährigen Jubiläum des Beitritts zur Schweizerischen Eidgenossenschaft eine Projektausschreibung ins Leben gerufen hat. Mit meinem Wohnsitz in Anzère, der sich in 1500 Metern Höhe befindet, habe ich das Privileg, jeden Tag das herrliche Panorama der Walliser Alpen bewundern zu können; insbesondere bei Sonnenuntergang, wenn sich die Gipfel mit Licht schmücken. Die Idee ist aus der Beobachtung dieser großartigen Landschaft entstanden.

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Das Walliser Bietschhorn – kunstvoll in Szene gesetzt durch Jacques Morard und seine Initiative Lightandsummits. PR-Bild des Jahres 2016.
Bild: Marcel Grichting

 

TREIBSTOFF: Welche Ziele hatten Sie mit diesem Projekt und welche Botschaft wollten Sie vermitteln?

MORARD: Das primäre Ziel bestand darin, für einen unvergesslichen Augenblick zu sorgen. Ein Ereignis, das die Schönheit der Walliser Alpen vermittelt und das die Öffentlichkeit dazu bringt, ihr Haus zu verlassen, um diese Show zu bewundern und diesen denkwürdigen Augenblick in einer festlichen Atmosphäre zu würdigen. Außerdem wollten wir eine starke Emotion im Geist und in den Herzen der Zuschauer erzeugen, sodass sich dieser außergewöhnliche Moment in das kollektive Gedächtnis einprägt. Und zu guter Letzt wollten wir der Welt die Walliser Gipfel mit ihrem Lichterkleid als ein vergängliches Kunstwerk präsentieren, das von unseren Fotografen verewigt wurde.

Die Botschaften, die ich dabei vermitteln wollte, waren einfach: Erstens sollten die Menschen die Schönheit der Natur erkennen, die durch ihr Eingreifen noch vergrößert wird. Zweitens wollte ich den Beruf des Bergführers würdigen, und drittens wollte ich zeigen, dass es sich lohnt, an seine Träume zu glauben.

TREIBSTOFF: Vor welchen Herausforderungen standen Sie bei der praktischen Umsetzung?

MORARD: Die größte Herausforderung bestand darin, die Sicherheit der Beteiligten an den Abschussstellen des Feuerwerks zu gewährleisten – und natürlich die sichere Rückkehr der Bergführer in der Nacht und unter winterlichen Bedingungen. Die Bergführer haben die Strecke für die Rückkehr zunächst am Tag absolviert, um eine Spur im Schnee zu legen, der sie dann in der Dunkelheit im Schein ihrer Stirnlampe folgen konnten. Dank der sorgfältigen Organisation von Peter Mathey (Präsidenten der Schweizerischen Vereinigung der Bergführer) und der Professionalität der Bergführer sind alle sicher zu Hause angekommen.

Die zweite Herausforderung bestand darin, in kürzester Zeit möglichst viele Fotos der Lichtshow zu machen, um die schönsten Bilder unverzüglich an die Medien zu senden. Für unsere Fotografen, Grafiker, Webmaster und Medienmanager war es eine lange Nacht.

Die dritte Herausforderung war die Kommunikation des Projekts. Dafür haben wir die Agentur „Media Impact“ engagiert, die für die regionale, nationale und internationale Kampagne zuständig war – mit Erfolg: 48 Stunden nach dem Ereignis hatten bereits Medien aus mehr als 30 Ländern unsere Bilder veröffentlicht.

TREIBSTOFF: Welchen besonderen Zwängen waren die Fotografen unterworfen?

MORARD: Die Position unserer Fotografen wurde im Voraus festgelegt, um die bestmögliche Kameraeinstellung für die Aufnahmen zu erhalten. Bestimmte Positionen konnten durch eine naheliegende Straße oder Skilifte, die die Fotografen direkt an ihren Bestimmungsort brachten, einfach erreicht werden. Hingegen mussten andere Fotografen mehrere Stunden lang zu Fuß gehen, um den Ort für ihre Aufnahmen hoch in den Bergen zu erreichen. Um ihre Ausrüstung vorzubereiten und die erforderlichen Kameraeinstellungen vorzunehmen, mussten alle Fotografen bei Tageslicht am Standort ankommen. Für alle hat danach bei bitterer Kälte eine lange Wartezeit bis zur Abenddämmerung begonnen.

Dann wurde es stressig: nur drei Minuten für das Erstellen der Aufnahmen! Der Wind erhöhte noch den Stress, denn selbst schwacher Wind kann sich auf die Stabilität des Stativs auswirken und für verschwommene Bilder sorgen. Einige Fotografen mussten dann noch in der Nacht bei winterlichen Bedingungen nach Hause zurückgehen. In diesen speziellen Fällen waren die Fotografen gleichzeitig Bergführer.

TREIBSTOFF: Muss es immer das Monumentale, Spektakuläre (und damit häufig sehr Teure) sein, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu bekommen?

MORARD: Es muss nicht unbedingt etwas Monumentales, aber auf jeden Fall etwas Spektakuläres sein. Um seine Ziele zu erreichen, muss man die entsprechenden Mittel bereitstellen. Vor allem aus Respekt vor der Öffentlichkeit: Zehntausende Zuschauer wollten sich am 18. März 2015 bei Einbruch der Dunkelheit an die verschiedenen Orte der Lichtshow begeben. Wir durften sie also nicht enttäuschen!

Für diese Aktion war natürlich eine Investition erforderlich, die im Verhältnis zu den erzielten Ergebnissen gesehen werden muss (deren Wert nicht messbar ist). Mit einer Werbekampagne hätte man niemals soviel Sympathie für das Wallis und seine Berge erzielen können. Darüber hinaus wäre sie für eine weltweite Sichtbarkeit wahrscheinlich noch viel teurer gewesen.

TREIBSTOFF: Stellen wir uns vor, wir sind im Jahr 2215:  Das Wallis feiert seine dreihundertjährige Zugehörigkeit zur Schweizer Eidgenossenschaft und Sie haben wieder den Auftrag, das Jubiläum mitzugestalten. Mit welcher Kampagne begeistern Sie uns?

MORARD: Ich würde wieder an Berge denken. Nicht, um das Projekt von 2015 zu kopieren, sondern um die Idee davon fortzusetzen. Die Orte der Lichtshow würden sich alle 20 Kilometer entlang der Walliser Grenze befinden – am Fuße der Gipfel, auf den Gletschern oder den Gebirgspässen. Die Lichtshow wäre nicht nur im Wallis zu sehen, sondern auch aus dem Weltall. Durch eine gute Koordinierung mit der Internationalen Raumstation (ISS) wäre es möglich, Aufnahmen aus einer Entfernung von 350 Kilometern zur Erde zu machen. Ich stelle mir eine vollkommen neue Luftbildkarte des Wallis vor, dessen Konturen abwechselnd mit roten und weißen Lichtpunkten dargestellt würden – in den Farben des Kantons.

TREIBSTOFF: Vielen Dank für das Gespräch.

Jacques Morard (*1958) begann seine berufliche Laufbahn im Tourismus. Anfang der 90er Jahre gründet er seine eigene Agentur „J’imagine Evénements et Spectacles“. Der Spezialist für Ton- und Lichtshows vereint bei seinen Events Wasser, Feuer, Bilder und menschliche Darbietungen. Er hat bereits viele Großereignisse mitgestaltet, unter anderem „Night Glow“, das internationale Treffen der Heißluftballons, das unter anderem in Château d’Oex stattgefunden hat.

 

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