Sportjournalismus: Exklusive Themen bevorzugt

Für den Sportjournalisten Pit Gottschalk müssen Presseinformationen am besten exklusiv sein. Gerne auch via SMS. Er leitet die Redaktion des Kompetenzzentrums Sport bei der FUNKE Mediengruppe (Reviersport, WAZ, Westfalen Post, Westfälische Rundschau). Im Blitzinterview verrät er uns, wie eine perfekte Meldung aufgebaut ist. In unserer Reihe Wer liest eigentlich Pressemitteilungen fragen wir Journalisten, welche Anforderungen sie an Pressematerial haben. 

Sportjournalismus Pit Gotschalk
Sportjournalisten bevorzugen exklusive Themen: Pit Gottschalk ist Chefredakteur von FUNKE Sport.

TREIBSTOFF: Würden Sie uns in ein paar Sätzen Ihren Arbeitsalltag beschreiben?

GOTTSCHALK: In der täglichen Flut von Sportnachrichten suchen wir uns die Themen, die entweder die größten News versprechen, eine Einordnung verlangen oder Stoff für eine spannende Geschichte liefern. Und diese Themen inszenieren wir leserfreundlich in Print, Online und Mobile.

TREIBSTOFF: Wie recherchieren Sie neue Themen?

GOTTSCHALK: Bestenfalls, indem wir die Beteiligten direkt fragen. Und das schildern, was wir selbst gehört und gesehen haben. Die Filterung durch Berater und Agenturen ist unausweichlich, aber ärgerlich. Nur wenige arbeiten professionell.

TREIBSTOFF: Wie muss Pressematerial aussehen, mit dem Sie etwas anfangen können?

GOTTSCHALK: Inspirierend! Presse- und Informationsmaterial, das zunächst Formalien abhandelt und in Wortwolken den Kern verschleiert, kostet mich Zeit und Geduld und landet meistens dort, wo es hingehört: im Papierkorb meines E-Mailfachs. Der persönliche Kontakt und die aufrichtige Kontaktpflege sind der Schlüssel zu meiner Aufmerksamkeit. Mir fällt gerade auf: Die besten PR-Berater, die Zugang zu mir haben, schicken gar kein Pressematerial, sondern eine SMS mit der Bitte um Rückruf. Manchmal wünschte ich, ich könnte die meisten PR-Berater schulen: Mein zeitliches Investment bekäme ich dreifach an Zeitersparnis zurück.

TREIBSTOFF: Welche Fehler machen Absender von Pressematerial immer wieder?

GOTTSCHALK: Sobald ich den Eindruck gewinne, in einem generellen Verteiler zu sein, sehe ich die Exklusivität bei einem Thema verloren. Dann ist die Meldung wertlos für mich. Man erkennt dieses Pressematerial sehr schnell, wenn die Formalien in einer Pressemitteilung wichtiger als der Inhalt wirken. Weg damit! Am liebsten wäre mir dieser Aufbau: Überschrift mit Bezug zum ersten Absatz und Unterzeile mit Bezug zum zweiten und dritten Absatz. Im ersten Absatz: Was ist neu und einen Bericht wert? Zweiter Absatz: In welchem Kontext steht diese Nachricht in Bezug zur Region, Branche, Gesellschaft? Dritter Absatz: Zeitlicher Kontext mit Herleitung und Veränderung. Und erst danach will ich die Formalien: wen ich anrufen kann, woher ich weiteres Material erhalte, wann Termine anstehen.

TREIBSTOFF: Wie möchten Sie angesprochen werden, wie nicht?

GOTTSCHALK: Immer persönlich, niemals als Pressevertreter.

 

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