IT-Journalismus: Harte Fakten und gutes Bildmaterial

Software, Hardware, Mobile und E-Commerce: Beim IT-Journalismus dreht sich alles um das digitale Leben. Doch welche Erwartungen haben Tech-Redakteure an PR-Material? In unserer Reihe „Wer liest Pressemitteilungen?“ kommt dieses Mal Andreas Weck von t3n zu Wort. Der Tech-Redakteur schwört Stein und Bein, dass er sich jede Pressemitteilung anschaut. Voraussetzung: Sie ist direkt an ihn adressiert. 

TREIBSTOFF: Würden Sie uns in ein paar Sätzen Ihren Arbeitsalltag beschreiben?

Andreas Weck IT-Journalismus
„Bitte nicht hinterher telefonieren“: Andreas Weck von t3n schwört Stein und Bein, dass er alle Pressemitteilungen liest, die an ihn adressiert sind. Wenn er kein Feedback gibt, hat das seinen Grund. Foto: Andreas Weck

WECK: Mein Arbeitsalltag beginnt in der Regel gegen neun Uhr morgens und sieht so aus, dass ich zuerst nach geeigneten Themen für t3n suche, sie mit dem Chef vom Dienst abspreche und dann schnellstmöglich auf die Seite bringe. Die Formate variieren dabei zwischen News, Interviews, Porträts, aber auch leicht verdaulichen Listicles und Fundstücken. Daneben schreibe ich auch Artikel und verantworte Porträt-Formate im Rahmen unseres gedruckten t3n-Magazins. Hin und wieder übernehme ich kleine Side-Projekte: Ich plane eine Themenwoche oder gebe selbst Interviews zu bestimmten Angelegenheiten. Außerdem finden immer wieder Konferenzen statt, auf denen ich mich blicken lasse – zum Netzwerken sowie zur Themenrecherche. Ich könnt mir keinen besseren Job vorstellen.

TREIBSTOFF: Wie recherchieren Sie neue Themen?

WECK: Da gibt es eine ganze Reihe an Möglichkeiten: Zum einen habe ich locker 200 bis 300 Nachrichtenportale und Blogs abonniert, die ich mehrmals täglich nach Themen durchsuche. Daneben folge ich vielen Experten auf Twitter und Facebook und lasse mich von deren Dingen inspirieren. Ich erhalte eine ganze Reihe an Newslettern. Zudem nutze ich diverse Aggregationsdienste, die mir aktuelle Trend-Themen in sozialen Netzwerken aufzeigen. Je nach Thema und Tiefe des Beitrags recherchiere ich anschließend Personen, die mir mit Statements beim Beitrag behilflich sein können – oder für ganze Interviews bereitstehen. Natürlich erhalte ich auch Pressemitteilungen und Themenvorschläge von Lesern.

IT-Journalismus Pressemitteilungen

TREIBSTOFF: Wie muss Pressematerial aussehen, mit dem Sie etwas anfangen können?

WECK: Gerade Start-ups wollen gerne von uns porträtiert werden – und wir wollen sie natürlich auch gerne vorstellen. Jedoch sind die Informationen im Erstkontakt oft viel zu nichtssagend, um entscheiden zu können, ob die Jungunternehmen ein Porträt wert sind. Insofern bin ich ein Fan von harten relevanten Zahlen und gutem Bildmaterial der Gründer beziehungsweise des Teams. Folgende Fragen möchte ich beantwortet haben: Wie groß ist die Nutzerschaft? Wie viele Downloads einer möglichen App wurden erreicht? Welche Geldgeber haben wie viel Geld ins Unternehmen investiert? Gibt es eine spannende Kooperation mit einem Global Player zu vermelden? Und das Wichtigste: Exklusivität! Wenn ich Informationen als erstes bekomme, dann ist die Chance viel höher, dass ich mir das Start-up genauer anschaue. Ich erkenne natürlich eine Massen-Mail, wenn ich sie sehe.

TREIBSTOFF: Welche Fehler machen Absender von Pressematerial immer wieder?

WECK: Dass sie mir hinterher telefonieren. Ich schwöre Stein und Bein, dass ich mir jede Meldung anschaue, die direkt an mich adressiert ist. Aber wenn von mir nichts zurückkommt, dann hat es eben einfach nicht geklappt. Ich weiß, dass Pressesprecher das streckenweise als arrogant empfinden, wenn keine Rückmeldung kommt. Aber ich muss da um Verständnis bitten: Wir Redakteure jonglieren tagtäglich mit so vielen Informationen umher, dass wir – auch wenn ich es gerne möchte – nicht auf jede Pressemitteilung antworten können. Die Anrufe, die dann kommen, reißen mich oft einfach nur raus.

TREIBSTOFF: Wie möchten Sie angesprochen werden, wie nicht?

WECK: Mit „Eure Hoheit“ – nein Quatsch, ich persönlich bevorzuge das „Du“. Ein freundliches „Du“ biete ich jedem Gegenüber an und ich glaube fest daran, dass die Korrespondenz viel zwangloser und lockerer stattfindet, wenn man sich auf entspannter Augenhöhe befindet. Mögen aber vermutlich ältere Kollegen ganz anders sehen.

 

 

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