Pressesprecher streiten oft mit den eigenen Chefs. Was bedeutet das eigentlich?

Pressesprecher streiten sich regelmäßig mit anderen Abteilungen. Am häufigsten aber mit den eigenen Chefs. Auf den ersten Blick ist das ein schmeichelhaftes Ergebnis für den Berufsstand. Pressesprecher scheinen den Konflikt mit der Geschäftsführung demnach nicht zu scheuen. Man kann die Zahlen aus dem jüngsten PR-Trendmonitor von news aktuell und Faktenkontor aber auch anders deuten.

Kommentar von Jens Petersen, Leiter Unternehmenskommunikation, news aktuell

Auf die Frage, mit welcher Abteilung es am häufigsten Knatsch gibt, nennt gut ein Viertel (27 Prozent) der deutschen Pressesprecher die eigene Geschäftsführung. Das muss ja auch so sein, werden die meisten sagen. Denn nur Pressesprecher, die das Handwerk der Kommunikation beherrschen, können ihre Chefs vor unbedachten Äußerungen schützen oder bei kniffeligen Themen ins richtige Fahrwasser leiten. Pressesprecher streiten. Dass es dabei auch mal knallen kann, gehört zum Geschäft. Hinterher arbeitet man weiter professionell zusammen. Business as usual. So könnte die positive Lesart lauten.

 

Mit wem haben Pressesprecher die meisten Konflikte?
Die meisten Dispute führen Pressesprecher mit der Geschäftsführung. Das ergab eine gemeinsame Umfrage von news aktuell und Faktenkontor. Knapp 370 Kommunikationsprofis haben am PR-Trendmonitor teilgenommen.

 

Vielleicht deuten die Zahlen aus dem PR-Trendaber auch auf ein tiefer liegendes Problem hin. Nämlich, dass Unternehmenslenker die strategische Bedeutung von Kommunikation oft nicht verstanden haben oder herunterspielen. In unserer heutigen Informationsgesellschaft mit ihrem schnellen Erregungspotenzial und ihrer Durchdringung von immer mehr Lebensbereichen ist gute Kommunikation von essentieller Bedeutung. Unternehmen werden zu Medienmarken, heißt es ständig. Content Marketing ist die Königsdisziplin moderner Kommunikation, wird gepredigt.

Eigentlich müssten also Kommunikationsabteilungen und Geschäftsführungen viel stärker an einem Strang ziehen und so ihr gemeinsames übergreifendes Verständnis von Kommunikation dokumentieren. Vielleicht müssen sich Kommunikationsfachleute aber auch fragen, ob es ihnen bisher nicht gelungen ist, die Bedeutung von Kommunikation gegenüber der Geschäftsführung deutlich zu machen.

Wie immer: Alles eine Frage des Blickwinkels.

 

 

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