Blitzinterview mit Marco Krahl: Was erwarten Sie eigentlich von Pressemitteilungen?

In unserer Reihe Wer liest eigentlich Pressemitteilungen fragen wir Journalisten und Influencer, was sie von PR-Material erwarten. In TREIBSTOFF erzählen sie über ihren Arbeitsalltag und beschreiben, welche Anforderungen sie an Pressemitteilungen stellen. Heute im Blitzinterview: Marco Krahl, stellvertretender Chefredakteur von „Men’s Health“ und Redaktionsleiter von „Men’s Health DAD“.

Marco Krahl ist zunehmend genervt von der Flut an Pressemitteilungen – was er gleichzeitig schade findet, denn: „Infos sind für Journalisten ja natürlich wichtig“. Umso wichtiger für ihn: Kein Blablabla, sondern gleich auf den Punkt kommen.

Marco Krahl Blitzinterview Pressemitteilungen
„Die Schrotflinten-Technik – möglichst großer Verteiler – hat sicher ihre Berechtigung. Bei mir funktioniert sie nicht.“ Marco Krahl leitet die Redaktionen von Men’s Health und Men’s Health DAD bei der Rodale Motor-Presse in Hamburg. Foto: Men’s Health

TREIBSTOFF: Würden Sie uns in ein paar Sätzen Ihren Arbeitsalltag beschreiben?

KRAHL: Ich bin stellvertretender Chefredakteur von „Men’s Health“ und Redaktionsleiter von „Men’s Health DAD“. Besonders in letzter Funktion bin ich auch immer auf der Suche nach interessanten Themen, da ich für dieses Heft keine feste Redaktionsmannschaft habe.

TREIBSTOFF: Wie recherchieren Sie neue Themen?

KRAHL: Natürlich im ersten Schritt übers Internet: Ich habe einige Newsletter abonniert, verfolge viele Mommy- und Daddy-Blogs, meistens via Facebook. Ich lese die Tagespresse und bin mit Experten gut vernetzt. Die letztendliche Recherche übernimmt dann aber natürlich der Autor, der mir den Artikel schreibt.

TREIBSTOFF: Wie muss Pressematerial aussehen, mit dem Sie etwas anfangen können?

KRAHL: Kurz, prägnant, auf den Punkt formuliert, schon in der Betreffzeile. Leider sind die allermeisten Pressemittteilungen nicht so. Die beginnen mit: „Jetzt ist es bald wieder Winter und die ersten Flocken … blablabla … Sie kennen doch sicher auch das Gefühl, wenn …. blablabla …“. Da muss ich mich schon zwingen, den zweiten Satz zu lesen!

TREIBSTOFF: Welche Fehler machen Absender von Pressematerial immer wieder?

KRAHL: Siehe oben! Ich glaube, sie wollen besonders schön oder originell schreiben, dabei möchte ich nur kurz informiert werden. Neues Produkt, neue Studie, neue …das ist mir wichtig. Wenn ich gut unterhalten werden möchte, lese ich einen Roman.

TREIBSTOFF: Wie möchten Sie angesprochen werden, wie nicht?

KRAHL: Am liebsten gezielt! Die Schrotflinten-Technik – möglichst großer Verteiler, irgendjemand wird sich sicher dafür interessieren – hat sicher ihre Berechtigung und funktioniert wahrscheinlich auch gut – aber halt nicht bei mir!

 

Kommentare (1)

  1. Die Argumente kann ich nachvollziehen. Vor allem, dass stichhaltige Infos, statt Romane wünschenswert sind. Man munkelt aber auch, dass manch ein Redakteur dankbar ist, wenn ihm das Artikel schreiben gleich ganz abgenommen wird. Halte ich aber für eine Fehlhaltung des Redakteurs.

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