Astronaut Reinhold Ewald: „Unsere Zukunft liegt im All“

Reinhold Ewald ist Astronaut. Er sah unsere Erde, wie es bisher nur wenigen Menschen vergönnt war. Er musste in der Raumstation ein Feuer löschen und ist überzeugt davon, dass eine bemannte Mission zum Mars schon bald Realität wird. In unserem Blog TREIBSTOFF verrät er, was ihn antreibt: Er kämpft dafür, dass die Menschheit eine Zukunft im All hat.

Reinhold Ewald, ESA Zukunft
Reinhold Ewald reiste 1997 ins All und forschte in der Raumstation Mir. Heute ist er wissenschaftlicher Berater bei der ESA und arbeitete zuletzt eng mit „Social Media Astronaut“ Alexander Gerst zusammen. (Foto: Jonas Güttler)

„Wenn man im Minutentakt auf wechselnde Länder oder im Halbstundentakt auf wechselnde Kontinente schaut, dann kriegt man eine ganz andere Sicht auf globale Zusammenhänge“, erzählt Reinhold Ewald. Der ehemalige Astronaut und heutige ESA-Berater weiß, wovon er spricht. Er flog 1997 zur Raumstation Mir und unterstützte 2014 „Social Media Astronaut“ Alexander Gerst bei der Mission „Blue Dot“, die von den Medien intensiv begleitet wurde. Ewald glaubt an die Raumfahrt und ihren positiven Einfluss auf die Menschheit. „Der Blick aus dem All ist sicherlich eins der Heilmittel, die man konfliktbereiten Parteien auf der Erde empfehlen könnte.“

Aber es geht auch realistischer. Unser heutiges Leben, das stark von Technik dominiert ist, könnte ohne die Raumfahrt gar nicht funktionieren, sagt Ewald. Raumfahrt macht unser Dasein einfacher und sicherer. Wir können uns per Navigationsgerät orientieren, wir beobachten das Klima und können Katastrophen vorhersagen. Aber auch der Weltraumtourismus hat großes Potential. Kurze Trips über die Atmosphäre hinaus in die Schwerelosigkeit wird ein Markt sein, der nicht nur für Superreiche da ist, glaubt der Ex-Astronaut.

Der Besuch im All hat Ewald geprägt und treibt ihn heute an. „Natürlich werbe ich für die Fortsetzung dieser Erfolgsstory. Wir wollen unser Wissen und unsere Neugier immer weiter hinausschieben“, sagt der Astronaut und gerät ins Schwärmen. Die nähere Erdumgebung bis hin zum Mars sei ein realistisches Ziel für die nächste Zukunft. Aber sein Blick greift noch weiter voraus. „Die Raumfahrt steht in 50 Jahren wohl auf dem Mars“, prognostiziert Ewald.

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Noch ist das alles Zukunftsmusik, aber die Notwendigkeit, irgendwann einmal die Erde zu verlassen, kann durchaus real werden. „Spätestens dann, wenn wir die Gefahren aus dem Weltraum betrachten, wie etwa durch Asteroiden, die der Erde nahe kommen, oder auch durch Veränderung der Sonneneinstrahlung, dann müssen wir hier weg.“

Reinhold Ewald ist seit seiner Zeit im Weltall zu einem anderen Menschen geworden. „Ich sehe viele Dinge gelassener“, sagt er. Seit damals auf der Raumstation Mir ein Feuer ausbrach und Ewald und das Astronautenteam es löschen mussten, kann den gebürtigen Mönchengladbacher nichts mehr so schnell aus der Ruhe bringen. „Das führt dazu, dass man die Herausforderung einer Steuererklärung anders angeht als vorher.“

Reinhold Ewald im Interview

TREIBSTOFF: Hätte es bessere Werbung für die bemannte Raumfahrt geben können als die Tweets, die „Social Media Astronaut“ Alexander Gerst bei der Mission #BlueDot vor einigen Monaten aus der ISS sendete?

EWALD: Das war schon sehr gut und auch für uns überraschend. Alex hat gezeigt, dass er einer Generation von Astronauten angehört, die mit neuen technischen Möglichkeiten aufgewachsen ist, und diese ganz selbstverständlich und virtuos benutzt. Für uns ist das eine sehr positive Entwicklung.

TREIBSTOFF: Raumfahrt ist immer politisch. Hat Alexander Gerst aktiv Politik gemacht mit seinen Twitter-Bildern aus dem All?

EWALD: Da gibt es ein Bild, das er als das traurigste von seinen tausenden von Aufnahmen bezeichnet. Das Foto zeigt den Gaza-Streifen. Da war damals Krieg. Das ist ungefähr so weit, wie ich als Astronaut gehen würde.

TREIBSTOFF: Sollten alle Astronauten der heutigen Generation direkt via Social Media aus dem All berichten?

EWALD: Das tun sie ja alle bereits mehr oder weniger. Nicht alle in dem Umfang wie Alex. Dafür muss man natürlich auch ein extrovertierter Charakter sein und Lust haben, sich mitzuteilen.

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